
V. Diskussion
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induzierte Toxizität begrenzen, Substanzen, die freie Radikale binden und die
moderate Hypothermie seien hier als Beispiele genannt.
In tierexperimentellen Studien sind inzwischen zahlreiche neuroprotektiv wirksame
Substanzen identifiziert worden. In den letzten 2 Jahrzehnten wurden etwa 50 davon
in über 115 kontrollierten klinischen Studien auf ihre Wirksamkeit überprüft. Leider
ließ sich in keiner Studie bisher eine signifikante Wirksamkeit am Patienten
nachweisen.
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Warum wirken neuroprotektive Pharmaka im Tiermodell und scheitern in
klinischen Studien?
Zu den Ursachen des Scheiterns klinischer Neuroprotektionsstudien haben in den
letzten Jahren zahlreiche interdisziplinäre Expertengruppen unterschiedliche
Hypothesen generiert. Einige sind im Folgenden wiedergegeben:
44,58,150,151
• In tierexperimentellen Untersuchungen werden kürzere „therapeutische
Zeitfenster“ verwendet als in klinischen Studien. So liegt der Therapiebeginn in
präklinischen Studien typischerweise zwischen 0 und 90 Minuten nach
Ischämiebeginn, während für klinische Studien häufig Zeitfenster von 3 bis 24
Stunden verwendet werden. Es ist zu vermuten, dass die Behandlung in
zahlreichen klinischen Untersuchungen zu einem Zeitpunkt begonnen wurde, an
dem keine Penumbra mehr vorliegt.
• In tierexperimentellen Studien werden Pharmaka in Dosierungen getestet, die für
eine Anwendung am Menschen zu hoch sind.
• Neuroprotektiva werden tierexperimentell an Modellen mit territorialen
Hirninfarkten evaluiert, während in zahlreichen klinischen Studien auch Patienten
mit subkortikalen (z.B. lakunären) Infarkten eingeschlossen werden.
• In der Mehrzahl tierexperimenteller Studien ist die Beobachtungsdauer
(typischerweise 24 Stunden bis eine Woche) erheblich kürzer als in klinischen
Studien.
• In präklinischen Studien wird der neuroprotektive Effekt primär anhand der
Reduktion der Läsionsgröße evaluiert während in klinischen Studien das klinisch-
funktionelle Outcome als primärer Endpunkt verwendet wird.
• In tierexperimentellen Modellen wird praktisch ausschließlich ein Verschluss des
Hauptstammes der A. cerebri media simuliert während in klinischen Studien
Patienten mit sehr heterogenen Gefäßbefunden untersucht werden (Ischämien in
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