
II. Literaturübersicht
9
Ausbreitung der Infarktzone. Tierexperimentelle und einzelne klinische Studien
deuten darauf hin, dass etwa 50 bis 70% des minderperfundierten Hirnvolumens in
den ersten Minuten irreversibel geschädigt werden. Die verbleibenden etwa 30 bis
50% (die Penumbra) gehen in den folgenden 3 bis 6 Stunden zu Grunde und sind
somit innerhalb dieses engen Zeitfensters therapeutischen Interventionen
zugänglich.
19,66,96
Für diese -messtechnisch schwer fassbare- Randzone um das ischämische Hirnareal
wurde von Astrup et al
4
der Begriff „Penumbra“ (wörtlich: „Halbschatten“) eingeführt.
Als „Penumbra“ wird das zwischen dem nicht perfundiertem Kerngebiet und normal
perfundiertem Gewebe liegende Areal definiert. Im Bereich der Penumbra ist der
Funktionsstoffwechsel weitgehend erloschen, allerdings ist der Strukturstoffwechsel
noch vorübergehend erhalten. Dieses Gewebe (auch „tissue at risk“ genannt) kann
durch eine Wiederherstellung der Perfusion oder durch andere neuroprotektive
Maßnahmen vor dem nekrotischen Zelluntergang bewahrt werden.
4
3.2. Die postischämische Kaskade
Mehrere Mechanismen führen während der fokalen zerebralen Ischämie zum
Zelluntergang: Exzitotoxizität, die Freisetzung freier Radikale, Inflammation und
apoptotischer Zelltod. Diese Mechanismen laufen überwiegend zeitlich gestaffelt ab,
überlappen sich aber auch teilweise und werden in ihrer Gesamtheit als
„postischämische Kaskade“ bezeichnet.
96
Abb.4:
Penumbrakonzept:
Ohne eine Intervention
kommt es zu einer
Ausbreitung des
Infarktes (A). Durch eine
Reperfusion oder eine
andere neuroprotektive
Behandlung ist es
theoretisch möglich, die
Ausbreitung des
Infarktes zu verhindern
bzw. zu minimieren und
so einen Teil der
Penumbra als intaktes
Gewebe (weiß) zu
erhalten (B).
19
Grau: „Penumbra“
Schwarz: Nekrose
A
B
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