
74 V. Diskussion
sukzessiven Absterben der Nervenzellen – es kommt zu einer Ausbreitung der
Infarktzone. Tierexperimentelle und einzelne klinische Studien deuten darauf hin,
dass etwa 50 bis 70% des minderperfundierten Hirnvolumens in den ersten Minuten
irreversibel geschädigt werden. Die verbleibenden etwa 30 bis 50% (die Penumbra)
gehen in den folgenden 3 bis 6 Stunden zu Grunde und sind in diesem engen
Zeitfenster therapeutischen Interventionen zugänglich.
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Therapiemöglichkeiten
Grundsätzlich ergeben sich für die Behandlung des akuten Hirninfarkts zwei
therapeutische Ansatzmöglichkeiten:
1. Reperfusion
Die Wiedereröffnung der verschlossenen Hirnarterie kann die vollständige
Ausbreitung des Hirninfarkts stoppen. Allerdings wird der therapeutische Nutzen
durch pathophysiologische Vorgänge limitiert, die durch die abrupte Reperfusion
angestoßen werden. Diese werden unter dem Überbegriff „Reperfusionsschaden“
zusammengefasst.
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Klinisch hat sich die systemische Applikation von rtPA in den ersten 3 Stunden nach
Ischämiebeginn als wirksam erwiesen und ist seit August 2000 in Deutschland
zugelassen. Wegen der zahlreichen möglichen Komplikationen (insbesondere
Einblutungen in das Infarktareal) ist die Anwendung dieser Substanz zur
Thrombolyse nur unter strenger Indikationsstellung und Beachtung zahlreicher
Kontraindikationen möglich. Daher kommt dieses Therapieverfahren derzeit nur bei
etwa 2 bis 5% aller Schlaganfallpatienten zur Anwendung.
36,47,66,114,141
Weiterentwicklungen dieses therapeutischen Prinzips, wie die lokale Thrombolyse im
Rahmen einer Angiographie oder Verstärkung des thrombolytischen Effekts durch
therapeutischen Ultraschall befinden sich derzeit in der präklinischen und klinischen
Erprobung.
2. Neuroprotektion
Verschiedene pharmakologische und physikalische Therapieverfahren ermöglichen
eine Beeinflussung der sogenannten postischämischen Kaskade, die zu der
Ausbreitung des Infarktkerns innerhalb der Penumbra führt. NMDA-
Rezeptorantagonisten, die die durch die überschießende Freisetzung von Glutamat
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