
V. Diskussion
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V. Diskussion
1. Einleitung
Die Behandlung des akuten Schlaganfalls stellt in der modernen Medizin ein noch
immer weitgehend ungelöstes Problem dar. Wesentliche Ursache ist die im Vergleich
mit anderen Organen erheblich höhere Empfindlichkeit des Gehirns gegenüber
Durchblutungsstörungen. So sind Nervenzellen bereits wenige Minuten nach
Unterbrechung der Zufuhr von Sauerstoff und Glukose irreversibel geschädigt,
während beispielsweise Herzmuskelzellen auch mehrere Stunden ohne
Blutversorgung überleben können.
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Daher kommt der Entwicklung von
Therapiestrategien in der Akutphase des Hirninfarkts eine besondere Bedeutung zu.
Tierexperimentelle Studien spielen hier eine Schlüsselrolle und fungieren als
Bindeglied zwischen Grundlagenforschung und klinischer Anwendung.
Die vorliegende Arbeit widmet sich der Evaluation und Weiterentwicklung eines
neuen tierexperimentellen Modells zur Induktion fokaler zerebraler Ischämien. Dieses
sogenannte Makrosphärenmodell soll die pathophysiologischen Vorgänge des
Hirninfarkts am Menschen genauer als bisher simulieren und so die Übertragbarkeit
tierexperimenteller Krankheitsmodelle auf den Menschen verbessern. Ferner soll es
durch den Einsatz nicht-invasiver Bildgebungsverfahren
(Magnetresonanztomographie) die Aussagekraft tierexperimenteller Untersuchungen
erhöhen und den „Verbrauch“ an Versuchstieren vermindern.
Das Penumbra-Konzept
Anders als bei globalen Ischämien, bei denen die gesamte Blutversorgung des
Gehirns unterbrochen ist (z.B. beim Herzstillstand) kommt es bei einem embolischen
Verschluss einer einzelnen Hirnarterie (Schlaganfall) nur in einem Teilbereich des
betroffenen Gewebes zu einem vollständigen Erliegen der Durchblutung. Die
Nervenzellen in diesem Infarktkern sind nach wenigen Minuten unwiederbringlich
geschädigt und damit einer Behandlung kaum zugänglich. Die Randbereiche des
betroffenen Gewebes werden jedoch in unterschiedlichem Ausmaß durch
benachbarte Hirnarterien durchblutet und unterliegen somit lediglich einer
Unterversorgung. Die Nervenzellen dieser „ischämischen Penumbra“ metabolisieren
noch in geringem Umfang Glukose. Die in diesem Areal aktiv ablaufenden
pathophysiologischen Vorgänge führen im Laufe einiger Stunden zu einem
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